Ein Kommentar von Karl-Fritz König
zu
Werbemaßnahmen für die Heilpraktikerpraxis
Bedauerlicherweise hat der Bundesgerichtshof
vor etwa acht Jahren in einem Grundsatzurteil
festgestellt, daß wir als Heilpraktiker nicht dem ärztlichen
Werbeverbot unterliegen. Seitdem ist jede Werbung erlaubt,
wenn sie nicht gerade gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG),
das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) oder
gegen die guten Sitten verstößt. Dies ist eine weite
Spanne, die für die Kollegenschaft verlockend sein kann.
Trotz der Lockerung des Werbeverbotes und der heute
nachlassenden Patientenzahlen und damit rückläufigen
Umsätzen wird nicht verstärkt geworben. Dies liegt
daran, daß sich die Nutzlosigkeit oder sogar
Kontraproduktivität in der Kollegenschaft weitgehend
herumgesprochen hat. Schon immer lebte die Mehrheit der
alteingesessenen Praxen überwiegend von langjährigen
Stammpatienten. Ein grundlegendes Existenzproblem besteht
deshalb für die neu niedergelassenen Kolleginnen und
Kollegen. Ein Patentrezept zum Gewinnen ausreichender
Patientenzahlen gibt es nicht, auch nicht in Kursen zur
erfolgreichen Praxisführung!
Die einzig sichere Methode zur
Patientengewinnung ist die Weiterempfehlung durch
zufriedene Patienten! Dieses Schneeballsystem braucht bei
wenigen Anfangspatienten natürlich seine Zeit. Diese
Tatsache verführt immer einige Kollegen zu der letzten -
jedoch völlig unbegründeten - Hoffnung, daß
irgendwelche Werbe- und Verkaufsaktivitäten zu einer
wundersamen Patientenvermehrung führen könnten.
Insbesondere die unverständlicherweise zunehmenden Kurs-
und Informationsangebote für Patienten in den Praxen
bewirken natürlich genau das Gegenteil der ursprünglichen
Absicht. Die Interessenten an diesen Praxiskursen sind in
der Regel allgemein an der Naturheilkunde interessierte
Personen. So werden sie nach kurzer Zeit das Gelernte im
Familien- und Bekanntenkreis umsetzen. Hierdurch entsteht
natürlich ein kontraproduktiver Effekt, der allen Praxen
Patienten entzieht. Nach kurzer Zeit stellt sich die
Erkenntnis ein, daß diese letzte Hoffnung nicht nur trügerisch,
sondern auch ein kostenträchtiger Irrglaube war.
Dazu kommt das heute kritisch geschärfte Patientenbewußtsein
und das gesunde Mißtrauen gegen übertriebene
medizinische Werbeaussagen. Die allgemeine Erfahrung bestätigt
immer wieder, daß ein Patientenstamm ausschließlich
durch die Weiterempfehlung zufriedener Patienten entsteht.
Daß sich dieser Vorgang bei der großen Zahl der
Heilpraktiker erheblich verlangsamt hat, muß wohl
akzeptiert werden. Wenn einige wenige Unbelehrbare
trotzdem weiter eine unseriöse Werbung machen und damit
dem Berufsstand insgesamt keinen guten Dienst erweisen,
sollte die benachbarte und damit betroffene
Kollegenschaft sich ruhig mit diesen Heilpraktikern wegen
der unkollegialen Verhaltensweise ernsthaft
auseinandersetzen.
Erstveröffentlichung:
Der Heilpraktiker - Volksheilkunde 11/97, S.42
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