Unsere Lebensabschnitte im Spiegel der fünf
Wandlungsphasen, wie sie im Taoismus gelehrt werden.
Mit freundlicher Genehmigung,
von Ulrike Schmidt
Goltzstr. 23
10781 Berlin
Tel.: 030 216 11 05
Fax: 030 217 569 47
Erstdruck in: Körper Geist Seele (KGS) BERLIN 12/97
Die alten Daoisten haben durch das Betrachten der
Natur bestimmte Gesetzmäßigkeiten festgestellt, die sich auch in unserem menschlichen
Dasein wiederfinden. Am Beispiel der verschiedenen Stadien in unseren Leben können wir
das System der fünf Wandlungsphasen konkret kennenlernen.
Innerhalb dieser Wandlungsphasen kann es zu
Störungen oder Stagnationen kommen. Denken wir uns zum Beispiel ein "typisches
Muttersöhnchen": Ein Mensch, der zum Ende der Feuerphase die Abnabelung, den
Absprung von den Eltern nicht geschafft hat. Er wohnt sicherlich noch bei seinen Eltern,
läßt sich versorgen und hat zu wenig Eigenantrieb, in die Welt zu gehen.Es fehlt an
Wagemut und Neugier. Womöglich erscheint das "da Draußen" für so einen
Menschen als zu bedrohlich und gefährlich. Durch die Berührung mit Shiatsu haben wir die
Möglichkeit, jemanden auf den Weg zu bringen, und zwar auf seinen ureigenen Weg. Ein
anderes Beispiel ist ein Mensch, der das "Altern" nicht akzeptieren kann: Mit
Hilfe von Kosmetik, Kleidung oder gar chirurgischen Eingriffen wird der Welt ein Alter,
bzw. eine Lebensphase vorgegaukelt, die bereits vergangen ist, die Jugend. Es wird oft
eine enorme Energie fiir dieses "Nicht-Anerkennen" aufgewendet, die in der
Metallphase zu einem erheblichen Ungleichgewicht führen kann. Auch hier kann langfristig
mit Hilfe von Shiatsu eine Veränderung eintreten im Sinne vom Annehmen dessen, was
wirklich ist. In erster Linie sich selbst begreifen als ein Wesen, das den Veränderungen
unterliegt.
Nach alter chinesischer Tradition verläuft das
Leben einer Frau in 7-Jahres-Zyklen, das eines Mannes im 8-Jahres-Zyklus. Eine
Wandlungsphase umfaßt dabei immer einen Doppelzyklus. (Die Zahlen stellen lediglich eine
Annäherung dar.)
Holz - der Aufbruch
(0 -14 Jahre, 0 -16 Jahre)
Frühling. In der Natur beginnen die Bäume
auszuschlagen, Kerne bilden Wurzeln und treiben Keime, Knospen bilden sich. Energetische
Richtung: nach oben. Für uns steht die Geburt am Anfang. Mit unbändiger Kraft setzten
die Wehen ein, die uns aus dem Mutterleib herauspressen. Eine enorme Leistung. Ein
Prozeß, der nicht auf zuhalten ist. Die gewaltigen Wachstumsprozesse, die ja schon im
Mutterleib gewirkt haben, walten weiter: Nie mehr in unserem Leben ist das
Größenwachstum derartig stark wie im ersten Lebensjahr. Auch in den folgenden Jahren
unserer Kindheit findet weiterhin ein unaufhaltsames Wachstum statt. Aber nicht nur
körperlich, sondern auch geistig: Wir lernen! Und zwar eine wahnsinnige Anzahl von Dingen
mit einer Leichtigkeit, die ebenso erstaunlich wie auch im späteren Leben fast nicht
nachahmbar ist. Wir beginnen zu krabbeln, zu laufen, wir lernen sprechen, später dann
schreiben, lesen, rechnen.
Feuer - Im Augenblick Leben
(14 - 28 Jahre,16 - 32 Jahre)
Sommer. Aus der Knospe ist ein Blüte geworden,
zauberhaft, vollkommen, anziehend.
Energetische Richtung: nach allen Seiten.
Mit Beginn der Pubertät ist das Größenwachstum nahezu abgeschlossen. Der Körper
Körper verändert sich jedoch weiter, wir werden zur Frau, zum Mann. So wie die Energie
in alle Richtungen weist, so geht es jetzt auch in unserem Leben zu: Wir entdecken und
probieren allerlei Dinge aus - die ersten Erfahrungen mit Zigaretten, mit Alkohol und mit
anderen Drogen fallen in diesen Lebensabschnitt. Es geht darum, vieles auszuprobieren,
vielleicht sogar so viel wie möglich. Wir entdecken das andere Geschlecht als solches,
auch da gibt es natürlich viel zu erfahren und zu erleben, wir verlieben uns zum ersten
Mal, erleben auch das Leid der Liebe. Wir machen in der Schule Projektwochen,
Klassenfahrten, Praktika, beginnen alleine zu verreisen, entdecken die Welt in allen
Richtungen, wir halten alles für möglich, ja wir sind der Mittelpunkt der Welt
("die `Alten' kapieren doch eh nichts!") Wir verdienen unser erstes Geld,jobben
mal hier, mal da, probieren vielleicht verschiedene Lehrstellen oder Studiengänge aus.
Wir wollen etwas werden. Wir verlassen das Haus unserer Eltern. Freiheit! Es ist eine Zeit
der unbändigen Lebenslust, eine beneidenswerte Sorglosigkeit, die uns in das
"richtige" Leben hineinkatapultiert, die wir später kaum mehr erreichen
können. Wir denken nicht an die Altersversorgung, wir planen noch keine Kinder ein - oft
ist dieser Kinder gedanke geradezu unvorstellbar in dieser Zeit. Wir ziehen um, probieren
Wohngemeinschaften aus und alleine leben. Wir leben den Moment. Die Zeit der
Selbstentfaltung und Selbstfindung. Proteste gegen Eltern, Lehrer und Staat sind in dieser
Phase ebenso selbstverständlich wie auch nötig. Nur in der Abgrenzung kann diese
Selbstfindung wachsen. In dieser Phase kristallisieren sich auch die Revolutionäre und
Weltverbesserer heraus.
Erde - Zeit der Reife, des Nachhausekommens
(28 - 42 Jahre, 32 - 48 Jahre)
Spätsommer. Aus der Blüte ist die Frucht geworden,
üppig, im Überfluß, in ihrer ganzen Fülle.
Energetische Richtung: ausgewogen, ein Kreis. Wir sind etwas geworden.
Aus uns ist etwas geworden. Wir sind reif geworden. Die materielle Kargheit der Feuerphase
ist meist vorüber. Die "Sperrmüll-Einrichtungen" die ersten WG`s WG`s haben
solideren Möbeln Platz gemacht. Wohlstand hält Einkehr. Der zweite Bildungweg liegt
hinter uns, das Studium ist beendet und der Beruf, den wir ausüben möchten, ist
gefunden. Es ist die Zeit im Leben, wo wir den Platz fnden, wo wir hingehören, wo wir uns
für einen Partner entscheiden, mit dem wir durchs Leben gehen möchten, die Zeit, in der
wir ein Kind zeugen oder gebären, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, wie es der
Volksmund so schön sagt. Wir sind einfach gesetzter und "erdiger" geworden. Wir
haben die Fähigkeit gewonnen, Verantwortung zu übernehmen, für uns und für andere
auch: für den Garten, die Kinder, die Haustiere und für die Haustiere und für Haustiere
und für Haustiere und für und für für und für für und für und für die eigenen
Eltern, die jetzt sichtbar die jetzt sichtbar jetzt sichtbar sichtbar älter werden. In
dieser Zeit gründen wir eine Firma, verwirklichen "unser" Projekt. Die
Spontaneität der Feuerphase geht etwas verloren, dafiir rücken Gewohnheiten an die
Stelle. Gewohnheiten bieten Sicherheit. Es ist daher auch die Zeit der Versicherungen:
Plötzlich schließen wir eine Lebensversicherung ab, eine Hausratversicherung, eine
Berufshaftpflichtversicherung, und, und, und...
Metall - Loslassen
(42 - 56 Jahre, 48 - 64 Jahre)
Herbst. Die reife Frucht ist vom Baum gefallen.
Energetische Richtung: nach unten.
In diese Zeit fallen die Wechseljahre der Frau. Wir müssen die Kinder gehen lassen,
loslassen, sie werden ihren eigenen Weg finden. Auch steht es irgendwann an, dem eigenen
Beruf ade zu sagen. Es wird uns einfach klar, daß die Hälfte des Lebens vorbei ist, und
zwar unwiderruflich. Ein Rückzug ist angesagt, und am Ende dieser Phase geben wir das,
was wir uns aufgebaut haben auf, bzw. ab an unsere Kinder: die Firma, den Bauernhof; es
gibt schon mal ein Vorab auf die Erbschaft. Wir sind in der Lage, andere zu unterstützen
und können uns selbst zurücknehmen. Wir machen Platz, im Berufsleben, vielleicht im
Wohnbereich, wir gehen aufs Altenteil und überlassen unseren Kindern viel von unseren
Raum. Enkel kommen. Wir sind zu Omas und Opas geworden, aber auch zu Bundespräsidenten
oder zu Stammeshäuptlingen. Wir schrumpfen, werden faltiger, gebrechlicher, die Haare
ergrauen, die Zähne fallen aus. Dafür sind wir reich an Lebenserfahrung. Wir haben Siege
erlebt und Niederlagen erlitten, wir kennen den Schmerz des Lebens und sind mit ihm auf Du
und Du. Wir sind spirituell gewachsen, erwachsen geworden. Die eigenen Eltern sterben, und
in uns wächst die Erkenntnis: Wir sind die nächsten!
Wasser - Sterben und Wiedergeboren werden
(56 Jahre - , 64 Jahre - )
Winter. Aus der verfaulten Frucht bleibt der Kern.
Energetische Richtung: nach innen.
Wenn es in der Metallphase darum ging, loszulassen und dabei aber die Essenz zu bewahren,
so geht es jetzt um die Quintessenz: die Essenz der Essenz! Die Tendenz, die sich bereits
im Metall gezeigt hat, Materielles loszulassen, vollendet sich jetzt: wir können einfach
nichts mitnehmen! Geld und Besitz verliert an Bedeutung, weil klar ist, daß sie den
Sterbeprozeß nichtaufhalten können. Gesundheit und Zufriedenheit sind wohl die höchsten
Güter in diesem Lebensabschnitt. Es geht an das Abschiednehmen von dieser Welt. Wir
müssen uns bereithalten. Manche "nehmen" sich eine Krankheit, um sich schon im
Geiste zurückzuziehen, der Körper lebt dann noch. Das Gefühl das zu der Wandlungsphase
Wasser gehört. gehört. Angst vor dem Sterben, Angst vor dem, was dabei passiert, was
danach kommt. Unsere Augen werden schlechter, der Hörsinn läßt nach, wir sprechen nicht
mehr viel, das sind schon Vorstufen, um die eigene Welt zu verlassen, in die andere Welt
zu gehen. Oft müssen wir uns wieder versorgen lassen, von unseren Kindern, vom Staat. Wir
sind alte, weise Urgroßmütter und Urgroßväter geworden, bereit für den nächsten
nächsten Wandel.