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Darmspezifische Überlastungserkrankungen
Funktionseinheit von Darm und Immunsystem


Viele Erkrankungen unklarer Ätiologie können durch Störungen des Darms verursacht sein. Als »überlastetes« Organ, das zu Beginn seiner Funktionsstörung relativ symptomarm ist, ist der Darm prädestiniert für »Ausweichphasen«, über die er reflektorisch Signale sendet.

Von Karl-Heinz Rudat


Diese Überlastungserkrankungen imponieren oft, so daß man den ursächlichen Zusammenhang nur schwer erkennt. Bei den Verursachungsmechanismen sollte an die Funktionszeit des Dünndarms gedacht werden. Die Funktion des Darms beginnt in der Schlafphase am frühen Morgen um etwa 3.00 Uhr. Im Verlauf des Vormittags erreicht sie ihren Gipfel, ab etwa 14.00 Uhr läßt sie spürbar nach. Gegen 19.00 Uhr arbeitet der Darm nur noch minimal. Sigmentation und Peristaltik setzen nach und nach aus. Der noch vorhandene Darminhalt sitzt weitgehend fest, und seine Bestandteile werden nicht mehr ausreichend aufgeschlossen und resorbiert.
Wenn die letzte Nahrungsaufnahme am Abend zu spät, zu üppig und in der Zusammenstellung ungünstig war, wird der Darminhalt in den nächsten mindestens sieben Stunden »kompostiert«, das heißt er zersetzt sich durch Vergärung, die durch Obstbestandteile, Gemüse, Salate, zuckerhaltige Speisen und Getränke sowie sich zersetzende Nahrungseiweiße ausgelöst wird. Die so entstandenen Fusel- und Fäulnisstoffe können den Organismus während der Nachtruhe erheblich belasten. Es entstehen Gase und Zersetzungsgifte, die, je nach biologischer Qualität der Nahrung, unterschiedlich toxisch wirken.
Viele der sonst gesunden und ernährungsbewußt gewählten Nahrungsmittel werden, zu später Stunde aufgenommen, zunehmend unverdaulicher. Die Mukosa des Darms, die sonst eine unüberwindbare Barriere gegen die meisten Gifte ist, wird durch diese Fäulnisvorgänge stark belastet und zunehmend mehr aufgeschwemmt und entzündlich. Die Lymphkapillaren der Darmzotten erweitern sich und erhöhen ihre Permeabilität. Der Organismus kann sich nicht mehr optimal entgiften.
Der Darm wird schrittweise zur Giftquelle. Stoffwechselschlacken und Schadstoffe können infolge der »Darmträgheit« nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden. Die im Darm gebildeten und ausgestreuten Schadstoffe werden zu großen Anteilen in der Lymphflüssigkeit und den Fettzellen gebunden und der Entgiftung und dem Stoffwechsel entzogen.


Gleichgewicht von
Organismus und Bakterien


Es kann mühsam und langwierig sein, eine zerstörte Bakterienflora wieder aufzubauen. In vielen Fällen müssen gezüchtete Symbionten über Monate, nicht selten sogar über Jahre, eingenommen werden, weil die Darmschleimhaut sich nicht einfach mit Bakterien impfen läßt wie eine Nährstoffpalette im Labor.
Der Kontakt zwischen den siedelnden Bakterien und den Schleimhautzellen baut sich schrittweise und langfristig für eine dauerhafte Symbiose auf. Eine zufriedenstellende Neuansiedlung von Mikroorganismen im Darm kann nur gelingen, wenn bestimmte Ernährungsgrundsätze Beachtung finden.

Es ist nicht nur das Zuviel, sondern es ist meist auch nicht das Richtige, und es wird oft zur falschen Zeit gegessen. Vielen Patienten mit Darmfunktionsstörungen und Allergien ist nicht klar, daß der Abbau des industriell aufbereiteten und raffinierten Zuckers den Stoffwechsel überfordert und daß die eingespielten Hormon- und
Enzymfunktionskreisläufe des Körpers nur durch erzwungene Veränderungen ihres natürlichen Ablaufs diese Aufgabe bewältigen können.
Bei der industriellen Aufbereitung vieler Nahrungsmittel werden ihnen die natürlichen Begleitstoffe entzogen, und der Organismus muß diese für ihn notwendigen Stoffe ersatzweise aus seinen Hormon-, Enzym-, Vitamin- und Mineraldepots entnehmen. Nur so kann er die Nahrung verstoffwechseln. Eine der frühesten Folgen dieser Überforderung ist eine fortschreitende Schädigung des Darmmilieus durch die Zerstörung vieler Kulturstämme und notwendiger Symbionten.
Die chronischen Entzündungen der Darmschleimhäute, die auf diese Weise ausgelöst werden können, behindern die Abwehrfunktion der intestinalen Mikroorganismen
erheblich. Das System der vier Abwehrstufen, das in seiner Stabilität von den Fließgleichgewichten innerhalb der Mikrofloren abhängig ist, wird durch diese Vorgänge geschwächt.

Der Nährboden für Mykosen:
Bereits in dieser Phase der eingeschränkten Immunität setzt in vielen Fällen eine Vermehrung der symbiotischen, apathogenen Candidabesiedelungen im Darm ein. Schon in diesen Phasen von Darmfunktionsstörungen, in denen meist noch keine auffälligen Laborbefunde vorliegen, sollte eine antimykotische Therapie begonnen werden.
Hat sich erst einmal eine Candidamykose ausgebreitet, kann der pilzbefallene Darm schnell zum Streuherd werden.
Das für den Pilz förderliche saure Darmmilieu, das in den meisten Fällen vorliegt, muß durch eine sofortige erhöhte Basenzufuhr neutralisiert werden. Gute Ergebnisse werden durch die Anwendung von Alkala N (Sanum) erzielt, verbunden mit einer reduzierten Aufnahme säurebildender Nahrungsmittel.
Darüber hinaus unterstützt in diesen Fällen der Einsatz von Exmykehl-Suppositorien durch die breite Basis ihrer isopathischen Inhaltsstoffe den Körper ausreichend in seinen Abwehrfunktionen gegen eine beginnende Pilzvermehrung.


Ausweichphasen und
Überlastungserkrankungen


Zu Beginn sind diese Schädigungen des Dünndarms gut »getarnt«, weil sie wenig auffällige lokale Beschwerden verursachen. Erst mit dem weiteren Fortschreiten der Funktionseinschränkungen tauchen die ersten, häufig vom Patienten wenig beachteten Anzeichen auf, wie: Völlegefühl, Meteorismus, Flatulenz und Krampfzustände des Darms.
Den Körper belasten die schlechten Ernährungsgewohnheiten zusehends mehr: Das Bindegewebe reagiert mit einer vermehrten Fetteinlagerung und quillt auf. Die Zellen, die in diesem überlasteten Milieu funktionieren müssen, reagieren mit einer chronischen Reizung und vielleicht mit ungehemmtem Wachstum. Diese Intoxikation des Gewebes täuscht in bestimmten Phasen Erkrankungen vor, die vom überlasteten Organismus als Ausweichphasen eingesetzt werden.
Der Körper versucht, anfallende Gifte abzuleiten, um das toxische Terrain zu entlasten und damit den Ausbruch einer stark entzündlichen Reaktion oder einer Neoplasmaphase hinauszuzögern. Viele therapieresistente und chronische Leiden tarnen sich auf diese Art. Die Zusammenhänge sind oft unklar und schwer zu diagnostizieren, weil eine spezielle Erkrankung mit eigenem Beschwerdebild zu auffällig imponiert.
Aus diesem Grunde schenkt man auch als Therapeut der Möglichkeit einer kausalen Vernetzung nicht immer genügend Beachtung. Kommen die Patienten mit eindeutig darmspezifischen Beschwerden und einem scheinbar eigenständigen Krankheitsbild in die Praxis, ergibt sich der Hinweis auf einen möglichen kausalen Zusammenhang eher.
Häufig ist es so, daß eine eigenständige, in gewissen Zeitabständen rezidivierende Erkrankung vorliegen kann, die nicht selten durch eine zunehmende Therapieresistenz Probleme macht. Hier ist eine kausale Verkettung und reflektorische Darmfunktionsstörung nicht sofort auszumachen.

Die Schwächung
der unspezifischen Abwehr:

Vom Darm ausgelöste Allergien sind oft Pan-Allergien, und die betroffenen Patienten sind gegen so viele Stoffe überempfindlich, daß eine spezifische Hyposensibilisierung nur wenig Aussicht auf dauerhaften Erfolg haben kann. Die Austestung einzelner Allergene ergibt wenig Sinn, wenn das Immungesamtsystem durch eine eingeschränkte Darmfunktion gestört ist. Eine rein symptomatische
Behandlung dieser »Überlastungserkrankungen« hat nur geringe Erfolgsaussichten, denn dem Organismus wird durch eine Unterdrückung der Symptome eine wichtige Entgiftungsmöglichkeit genommen. Er wird gezwungen, seine Schadstoffe zurückzubehalten und wird damit aufgefordert, eine Zellreaktion vorzubereiten.
Sinnvoller ist es, den erkrankten Darm gründlich zu sanieren, ihm schrittweise zu ermöglichen, seine Funktionen wieder aufzunehmen und seine lange aufgestauten Schlacken und Giftstoffe auszuleiten. Insbesondere Organe mit Bakterienansiedlungen leiden permanent unter den Störungen: chronische Nasenraum- und Nasennebenhöhlenentzündungen sind nicht selten eine reflektorische Ausweichphase des behinderten Darmstoffwechsels. Auch chronische Atemwegserkrankungen, wie Bronchitis allergica oder asthmatische Bronchitiden, können ebenso dazugehören sowie Ekzeme, die oft einen direkten Bezug zu asthmatoiden Beschwerden haben.


Neurodermitis
Die Neurodermitis ist die häufigste der vom Darm ausgelösten Erkrankungen. Bei diesem Krankheitsbild versuchen der überlastete Darm und die Leber auf massivste Art, Schad- und Giftstoffe über die Haut auszuleiten. Die Haut kann als ein Parameter für den Zustand des Darms und der Leber angesehen werden. Darmsanierung und Entgiftung sind bei Neurodermitis die vorrangigen therapeutischen Schritte.

Weitere darmspezifische
Krankheitsbilder:

Reaktionen jeder Art sind möglich: Dermatosen, chronische Eiterungen, starke Schweiße, neuralgische Schmerzen, Muskelirritationen. Auffällig können auch Haut- und Schleimhautmykosen sein. Verstärkte Exkretionsphasen, wie chronische Durchfälle, die der
Organismus zur Ableitung von
Toxinen benutzt, sind als Ausweichphasen verdächtig.


Fallbeispiele

1. Fallbeispiel:
Ein 41jähriger Mann litt seit sechs Jahren an chronischer Sinusitis und mußte sich in diesem Zeitraum vier operativen Eingriffen unterziehen, bei denen jeweils neben einer beidseitigen Nasenmuschelabtragung und Nasenpolypektomie, eine Ausräumung beider Kieferhöhlen vorgenommen wurde. In immer kürzeren Zeitabständen kam es zu rezidivierenden Sinusitiden mit Schleimhautwucherungen im Bereich der Nasennebenhöhlen. Es bildeten sich eitrige Zysten in den Kieferhöhlen, die entweder mit Antibiotika behandelt oder ambulant durch Spülungen der Höhlen therapiert wurden. Während dieser Zeit entwickelte sich bei dem Patienten zusätzlich eine subakute Sinubronchitis.
Allergie-Tests zeigten eine Überempfindlichkeit gegen eine zunehmend größere Zahl von Allergenen. Anfangs bestand »lediglich« eine Allergie gegen Hausstaub und einige Gräserpollen, die therapeutisch hyposensibilisiert wurde, was dem Mann aber keine spürbare Besserung brachte.
Im Laufe der Jahre ergaben neue Testungen eine allergische Reaktion auf etwa 15 Stoffe (unter anderem Pollen von Birken, Haselnußsträuchern, Linden, Baumwollstoffe, Blumen, Zusatzstoffe in Kosmetika u.a.). Keine Hyposensibilisierung führte zu einer nennenswerten Verminderung der permanenten Nasennebenhöhlenbeschwerden des Patienten. Auch die monatelange Anwendung von Cortikoid-Nasenspray und allopathischen, entzündungshemmenden Medikamenten änderte nichts.
Bis auf die behinderte Nasenatmung und den chronischen Hustenreiz, der durch das abfließende Sekret aus dem Nasenraum verursacht wurde, ergab die körperliche Untersuchung in der Naturheilpraxis keine Auffälligkeiten. Die Laborbefunde zeigten eine erhöhte BSG und eine leichte Leukozytose. Beides ließ sich durch die chronische Entzündungssituation erklären. Außerdem waren IgE und IgG erhöht, was bei der allergischen Situation nicht verwunderte.
Auffällig war der Laborbefund des Urins, der einen erhöhten pH-Wert anzeigte.
Die meisten Aufschlüsse gab das Gespräch mit dem Patienten:
Er berichtete über Verdauungsbeschwerden nach dem Essen: Blähungen, Bauchkrämpfe, Sodbrennen, mitunter Übelkeit, und er hatte eine Fett- und Eiweißunverträglichkeit bemerkt. Außerdem kam es zu häufigen Durchfällen. Mehrmals im Jahr entwickelten sich stark juckende Ekzeme in der Aftergegend, die nach einiger Zeit wieder verschwanden.
Alle Beschwerden, mit Ausnahme der Verdauungsbeschwerden, entwickelten sich in größeren Zeitintervallen und wurden bisher vom Patienten als erträglich und unwesentlich eingestuft.
Der Patient war von Beruf Medizinischer Bademeister in einem Kurbadbetrieb und hatte sich wegen der Schichtdienste seit Jahren angewöhnt, seine tägliche Hauptmahlzeit erst am späten Abend einzunehmen.

Die Therapie:
Die starke und anhaltende Bereitschaft seines Körpers zu einer vermehrten Schleimhautsekretion, Eiterbildung und Wucherung war ein deutliches Signal für eine mögliche Ausweichphase und Überlastungserkrankung. Eine internistische Untersuchung des Darms ergab keinen Hinweis auf Geschwüre, größere Polypen oder Geschwulsterkrankungen, so daß diese Möglichkeiten als Verursacher der Darmfunktionsstörung ausgeschlossen werden konnten.
Dem Patienten wurde als erstes dringend angeraten, seine Ernährungsgewohnheiten zu ändern: Vermeidung saurer und säurebildender Speisen, verstärkte Aufnahme basenbildender Nahrungsmittel; Verlegung der Hauptmahlzeit auf die Mittagszeit und Einnahme des Abendessens bis spätestens 18.00 Uhr.
Um den Körper bei seinen Ausscheidungsvorgängen zu unterstützen, wurde ein bewährter Haut- und Blutreinigungstee (Infirmarius-Rovit) verordnet, der den Organismus ausreichend durchflutet und so eine verstärkte Ausschwemmung angesammelter Schlacke- und Schadstoffe aus Blut und Gewebe in Gang setzt. Wo die Möglichkeit besteht, sollte unbedingt die Colon-Hydro-Therapie als effektivste Form der Darmreinigung eingesetzt werden.
Es empfiehlt sich, in dieser Entgiftungsphase ein gutes Nierenfunktionsmittel (z.B. Orthosiphonis-Komplex Tropfen) einzusetzen, das die Ausscheidung der gelösten Stoffe über eine verbesserte Nierenfunktion beschleunigt.
Wegen der chronischen und therapieresistenten Entzündungssituation der Nebenhöhlen und der vermutlich schon lange Zeit bestehenden Überlastung der Darmschleimhaut, wurde gleichzeitig Latensin und Recarcin (Sanum) im Wechsel (einmal wöchentlich je eine Ampulle) eingesetzt.
Die imponierende chronische Sinusitis wurde über den gesamten Behandlungszeitraum mit Euphorbium S, 1 Ampulle wöchentlich, und vom Patienten selbst mit dem Euphorbium S Dosierspray (Heel) therapiert.

Um ein schnelles Säure-Basen-Gleichgewicht im Verdauungstrakt zu erreichen, nahm der Patient Alkala N (Sanum). Für die Mykoseprophylaxe und rechtzeitige Bekämpfung einer eventuell bereits ausgelösten Pilzvermehrung wurde Exmykehl D3 (Sanum), 1x täglich, verordnet.
In der zweiten Therapiewoche setzte unter dieser Behandlung eine Abwehrreaktion ein, wie sie bei der gezielten Stimulation des reaktionsschwachen, chronisch kranken Organismus erwartet werden konnte: Alle Beschwerden flackerten für etwa eine Woche unterschiedlich intensiv auf; auffälligste Ausscheidungsreaktion war ein starkes Schwitzen.
Im Verlauf der dritten Behandlungswoche floß aus den Nasennebenhöhlen, unter leichtem Fieber, zurückgestautes eitriges Sekret ab, das nach einigen Tagen wäßrig und klar wurde. Die Nasenatmung wurde für den Patient zu diesem Zeitpunkt schon wesentlich leichter, und der bis dahin chronische Druckschmerz im Kopf ließ spürbar nach. Die Darmfunktionen verbesserten sich vorerst nur geringfügig. Erst Fortakehl, zur Unterstützung des notwendigen Symbioseaufbaus, in Verbindung mit der Einnahme von bakteriellen Substanzen durch Hylak forte (Merckle), brachte eine anhaltende und für den Patienten spürbare Erleichterung.
Nach zwei Monaten war der 41jährige Mann endlich beschwerdefrei. Die Behandlung wurde im dreiwöchigen Rhythmus noch weitere drei Monate fortgesetzt, dem Patienten ging es zunehmend besser. Eine Behandlungsdauer von fünf Monaten war notwendig, um die über Jahre entstandenen Schädigungen von Darm und Nasennebenhöhlen abzuheilen.
Mittlerweile habe ich viele chronische Sinusitiden mit diesem Therapiekonzept geheilt oder wesentlich gelindert.(c)

2. Fallbeispiel:
Eine 23jährige Frau litt seit zweieinhalb Jahren unter starkem, diffusen Haarausfall. Es waren bereits verschiedene Therapien erfolglos angewendet worden, unter anderem eine sechsmonatige Cortison-Behandlung. Alle Laborwerte waren unauffällig, und die körperliche Untersuchung brachte keine Anhaltspunkte.
Im Verlauf des anamnestischen Gesprächs jedoch erwähnte die Patientin ein kleines, nässendes Ekzem am rechten Oberschenkel, das sich jedes Jahr für etwa zehn Tage bildete und das sie mit einer cortisonhaltigen Salbe bisher immer gut wegbekommen habe.
Die Patientin litt unter häufigem Sodbrennen, starken Blähungen, Übelkeit und kurzzeitigen Diarrhoen. Die Anzahl der unverträglichen Nahrungsmittel war immer größer geworden. Mindestens dreimal in der Woche ging sie zudem am späten Abend Essen.
Unter Berücksichtigung aller Faktoren konzentrierte sich auch hier der Verdacht auf den Darm als überlastetes Organ. Das - wenn auch nur kurzzeitig auftretende Ekzem - war als Ausweichphase und Entgiftungsmöglichkeit des Körpers verdächtig. Eine Nährstoffunterversorgung der Kopfhaut und Haare konnte sehr leicht durch die eingeschränkte Funktion der Darmschleimhaut und eine unzureichende Resorption der Nährstoffe verursacht werden.
Therapie: Verordnung des Haut- und Blutreinigungstees zur verstärkten Ausschwemmung der Schadstoffe; für die Mykoseprophylaxe Exmykehl. Der Patientin wurde eine Einnahme der Mahlzeiten unter Berücksichtigung der Darmfunktionszeiten angeraten.
Der Darm wurde mit Fortakehl (1 Ampulle wöchentlich) und gleichzeitig mit Hylak forte, oral, behandelt.
Bei jeder Form von Haarausfall bleibt das vorrangige therapeutische Ziel die Substitution wachstumsrelevanter Haarnährstoffe. Denn nur eine ausreichende und schnell wirksame Grundversorgung der Haarwurzeln ist in der Lage, das Ausfallen der Haare zu stoppen bzw. ein Neuwachstum anzuregen.
Gegen den Haarausfall wurde das Kera-Tonia-Vitalsystem (Biomedica, 63871 Heinrichsthal, Birkenweg 16, Tel.: (06106) 8222-0, Fax: (06106) 8222-28) verordnet. Dieses Behandlungssystem besteht aus drei Komponenten, die sich in ihrer Wirkung ergänzen und so das gesamte Beschwerdebild der Haarwachstumsstörung und des Haarausfalls abdecken.
Das Shampoo besteht aus biologisch aktiven Substanzen wie Aminosäuren, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Biotin, Birke, Kamille, Arnica, Schachtelhalm, Huflattich und Brennessel, die den natürlichen Haarwuchs anregen. Das Shampoo zeichnet sich durch eine sehr milde und schonende Reinigung aus.
Das Wirkstoffkonzentrat Kera-Tonia Haar-Fluidum wurde täglich und nach jeder Haarwäsche angewendet. Es setzt sich ebenfalls aus pflanzlichen Aminosäuren, ungesättigten Fettsäuren, Biotin und hochaktiven Heilpflanzen zusammen. Es enthält auch Panthenol und Vitamin E, Wirksubstanzen, die für den Strukturaufbau und den Schutz des Haares unverzichtbar sind.
Die Kera-Tonia forte plus Haar-Vitaltropfen wurden von den Patienten zusätzlich eingenommen. Sie setzen sich aus einem homöopathischen Komplex von fünf Heilsubstanzen zusammen (Acidum hydrofluoricum, Graphites, Pel talpae, Selenium amorphum, Thallium metallicum). Dieses Haarwuchsmittel erreicht durch seine Inhaltsstoffe verschiedene Formen von Kopfhaut- und Haarerkrankungen: genetisch bedingten Haarausfall, Alopecia areata, Kopfhautausschläge und -ekzeme.
Nach etwa drei Wochen verbesserten sich die Darmfunktionen wesentlich, eine leichte Abnahme des Haarausfalls wurde bemerkt. Nach weiteren drei Wochen ließ der Haarausfall deutlich nach, und es bildete sich neuer Haarwuchs, der im weiteren Verlauf der Behandlung eine kräftige und vitalisierte Haarstruktur erkennen ließ.
Offensichtlich litt die Patientin aufgrund funktioneller Darmstörungen und mangelnder Resorption unter einem Nährstoffdefizit in den Haarwurzeln.
Die gesamte Behandlungszeit betrug drei Monate. Das bis dahin regelmäßig aufgetretene Ekzem hat sich ein Jahr nach der Therapie nicht mehr entwickelt.

Autor:
Hp Karl-Heinz Rudat
Färberstr. 2
94496 Ortenburg

Erstveröffentlichung des Artikels in:
Sanum-Post Nr. 35/1996

Aus: Der Heilpraktiker - Volksheilkunde 12/97, S. 28



 

 

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