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 Liebe Leserin, lieber Leser ! 

Das Besondere, das entscheidend Andere des Heilpraktikerberufes in der heutigen medizinisch therapeutischen Landschaft ist der Ausgangspunkt, die Betrachtung des Menschen, seiner Gesundheit und seiner Krankheit.

Der Heilpraktiker geht im Gegensatz zur heutigen, seit dem 17. Jahrhundert sich entwickelnden naturwissenschaftlichen Denkweise, wonach alle biologischen, psychischen und geistigen Vorgänge nur Vorgänge der Materie sind, von ganzheitlich gestaltbildenden- und erhaltenden Lebenskräften und Energien aus. Er formuliert Krankheit als einen von dem Individuum abhängigen und als ursächlich bewirkten Prozess, nicht als ein den Menschen zufällig von außen treffendes Übel, eine molekular - mechanistische Betriebsstörung.

Krankheit ist für ihn ein lebens- und ordnungsschaffender Vorgang, der gegebenenfalls individuell unterstützt, begleitet und gelenkt werden muss, nicht jedoch mit synthetischen-, nebenwirkungsreichen Medikamenten unter drückt-, betäubt- oder verdrängt werden darf.

Ebenso folgt der Heilpraktiker nicht der heute üblichen Trennung von geistig-seelischen und körperlichen Reaktionen und Wirkungen; für ihn ist alles im Ganzen untrennbar miteinander verbunden. So ist das äußerlich sichtbare, messbare Symptom nicht das einzig Entscheidende, sondern der individuelle zeitliche Prozess, der das Symptom als Ende, als Vollzug einer Entwicklung hat entstehen lassen. Krankheit ist also ein zeitliches, nicht ein räumliches Problem.

Damit folgt der Heilpraktiker einer langen ideellen Tradition, die von der griechischen Antike bis in die heutige Zeit reicht. Für den Heilpraktiker sind die vielen medizinischen Teilergebnisse der letzten zwei Jahrhunderte eine Bereicherung der Möglichkeiten der Medizin, aber auch der Anlass, seine Überzeugung einer ganzheitlichen Schau weiter zu bewahren und für ihren Erhalt einzutreten. Das Ganze ist immer mehr als die Summe der Teile. Er sieht seine vornehmste Aufgabe im Zusammenfügen der übergreifenden Naturordnung mit den naturwissenschaftlichen Teilerkenntnissen der Materie um damit dem Kranken in seiner Subjektivität und personalen Betroffenheit hilfreich zur  Seite zu stehen.

Diesem Wirkensprinzip liegt eine Denkungs- und Handlungsweise zugrunde, die sich nicht an gesellschaftlich konformen, Erfolg versprechenden oder modischen Werten orientiert, sondern eine durch praktische Erfolge bewiesene Überzeugung, die auch durch jahrzehntelange Missachtung nur stetig gewachsen ist und besonders in den letzten Jahren zunehmende Bestätigung erfährt.

Der gebildete Mensch macht die Natur zu seinem Freund.
Friedrich Schiller


 

 

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