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Die folgende Mitteilung veröffentlichte die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) im Deutschen Ärzteblatt (Heft 9, vom 4. März 2005). Wir geben den Beitrag an dieser Stelle in leicht gekürzter Form wieder.

„Aus der UAW-Datenbank“: Schwere Thrombozytose mit arteriellem Verschluss nach Gemcitabin

Gemcitabin (Gemzar®) ist ein Pyrimidin-Analogon, das für die Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Blasen-, Bronchial-, Mamma-, Ovarial- und Pankreaskarzinoms zugelassen ist. Wie bei anderen Zytostatika erweist sich oftmals seine myelotoxische Wirkung als dosislimitierend, die sich vor allem in einer Thrombozytopenie bemerkbar macht.

Der AkdÄ wurde nun von einer 52-jährigen Patientin berichtet, bei der jedoch eine Thrombozytose für den tragischen Krankheitsverlauf entscheidend war. Sie hatte wegen eines lokal fortgeschrittenen Pankreaskarzinoms eine palliative Monotherapie mit Gemcitabin (1000 mg/m2 einmal pro Woche) erhalten. Aus der Krankheitsgeschichte ist ein Diabetes mellitus Typ I, eine Hypertonie und eine pAVK, die zu einer Unterschenkel-Amputation links geführt hatte, erwähnenswert. Im Rahmen einer subtotalen Duodenopankreatektomie mit 2/3-Resektion des Magens bei der Erstdiagnose des Pankreaskarzinoms war auch eine Splenektomie erfolgt. Vor dem Beginn der Chemotherapie mit Gemcitabin bestanden leicht erhöhte Thromboyztenwerte (462 x 103/µl), die bei Gabe des vierten Zyklus auf 1763 x 103/µl anstiegen. Drei Tage später stellte sich die Patientin mit Taubheitsgefühl und Schmerzen in linker Hand und Unterarm vor. Dopplersonographisch fand sich ein Verschluss der A. radialis und A. ulnaris. Trotz mehrfacher Embolektomie und medikamentöser Therapie musste eine Oberarmamputation durchgeführt werden.

In der Datenbank des gemeinsam von BfArM und AkdÄ geführten UAW-Spontanerfassungssystems (Stand: 25. November 2004) finden sich 1599 Meldungen zu Gemcitabin. Hier stehen generalisierte Störungen (58,7 Prozent), Thrombozytenveränderungen beziehungsweise Gerinnungsstörungen (41,6 Prozent) und gastrointestinale Störungen (39,9 Prozent) an der Spitze. Bei den Thrombozytenveränderungen dominieren bei weitem Thrombozytopenien (n = 336, 21,0 Prozent), jedoch lassen sich auch (einschließlich des oben beschriebenen Falles) sieben Meldungen von Thrombozytosen identifizieren. Diese bedingten möglicherweise weitere Komplikationen, genannt werden eine transitorische ischämische Attacke (TIA), eine Lungenembolie und eine Retinalvenenthrombose.

In der Fachinformation wird die Thrombozytose mit einer Häufigkeit von < 1/10 000 als sehr seltene UAW aufgeführt. Auch in verschiedenen Publikationen über klinische Studien werden reversible Thrombozytosen beschrieben, die dort allerdings folgenlos verliefen.

Bei Gabe von Gemcitabin sollte insbesondere bei Patienten mit einer arteriellen Verschlusskrankheit oder einer koronaren Herzkrankheit beachtet werden, dass eine Thrombozytose auftreten kann. Eine Verordnung von zum Beispiel Thrombozytenaggregationshemmern muss auch unter diesem Gesichtspunkt geprüft werden.



 


 

 

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