Arzneimittelkommission der deutschen
Heilpraktiker
- Stufenplanbeteiligte nach § 63 AMG -
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ARZNEIMITTELKOMMISSION AKTUELL (
1.10.2003 )
Die Arzneimittelkommission der deutschen Heilpraktiker, die im Auftrag der
Deutschen Heilpraktikerverbände ( DDH ) arbeitet und eine
Stufenplanbeteiligte nach § 63 des Arzneimittelgesetzes ist, hat unter
anderem die Aufgabe, die deutschen Heilpraktiker über Risiken in der
Arzneimittelanwendung und über rechtliche Änderungen zu informieren.
Gesundheitsreform
Die Arzneimittelkommission hatte schon wiederholt auf die Probleme, die die
Gesundheitsreform, besonders der Wegfall der Erstattungsfähigkeit der
gesetzlichen Krankenkassen für
rezeptfreie Arzneimittel bedeutet, hingewiesen. Der Wegfall der
naturheilkundlichen Arzneimittel aus der Erstattung der gesetzlichen
Krankenkassen wird in den letzten Wochen nun leider auch von den
Beihilfestellen der meisten Bundesländer nachvollzogen. Im Rahmen einer so
genannten Neiddiskussion wurde in den Medien immer wieder kritisiert, dass
für den Kassenpatient die naturheilkundlichen Arzneimittel, die ja in der
Regel nicht verschreibungspflichtig sind, nicht mehr erstattet werden, aber
die Beamten diese immer noch von der Beihilfe erstattet bekommen. Die
Beihilfestellen gehen auf diese Diskussion ein und tragen ihr Rechnung in
dem auch die Beihilfe diese Arzneimittel nicht mehr erstatten. Der
Heilpraktiker, der ja nur diese Arzneimittel verordnen kann, wird so in
einem wesentlichen Teil seiner therapeutischen Möglichkeiten eingeschränkt.
Es ist zu hoffen, dass die privaten Krankenkassen nicht ebenfalls auf die
Idee kommen, hier nachzuziehen. Der Heilpraktiker muss angesichts der
aktuellen Situation seine Patienten über das neue Erstattungsverhalten der
Beihilfe informieren, um nicht selbst in dem Falle, dass die Beihilfe die
Erstattung der Arzneimittel ablehnt vom Patienten in Regress genommen zu
werden.
Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller
Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller ( BAH ) hat am 22. / 23.9.2004
in Berlin seine 50. Jahresversammlung abgehalten. Der Vorsitzende des BAH,
Herr Johannes Burges hat in seiner Begrüßungsrede auf die Probleme
hingewiesen, die der pharmazeutischen Industrie, besonders den
mittelständischen Unternehmen durch die Gesundheitsreform der
Bundesregierung entstanden sind. Durch die 12. Novelle des
Arzneimittelgesetz kommt es erneut zu einer Zunahme der bürokratischen
Hürden für die Arzneimittelzulassung und durch den Wegfall der OTC-Präparate
( nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel ) wurde die Industrie massiv
geschädigt. Der BAH hat an einer Verfassungsbeschwerde mitgearbeitet, die
zusammen mit Vereinigungen naturheilkundlicher Ärzte beim
Bundesverfassungsgericht eingereicht wurde. Die naturheilkundlichen Ärzte
haben, da sie direkt wirtschaftlich durch diesen Teil der Gesundheitsreform
geschädigt werden, die Möglichkeit vor dem Verfassungsgericht zu klagen. Im
Falle eines Erfolges der Klage, könnte die auch für den Heilpraktiker und
seine naturheilkundlichen Arzneimittel problematische Entwicklung rückgängig
gemacht werden.
Dr.jur. Rainer Hess, der Vorsitzende des gemeinsamen Bundesausschusses,
berichtete über die Bewertungsverfahren für Erstattung der Gesetzlichen
Krankenversicherung ( GKV ). Die Entscheidungsgrundlagen sollen für alle
Arzneimittel in gleichem Umfang gelten. Auf Nachfrage des
BAH-Geschäftsführers Dr. Eberwein nach der Einschränkung der OTC-Präparate
erklärte auch Dr. Hess, das dass Kriterium der Rezeptpflicht als Kriterium
für die Bewertung eines Arzneimittels unter dem Aspekt der Kassenerstattung
eigentlich ungeeignet sei, denn die Rezeptpflicht war bisher ja kein
Kriterium der besonderen Wirksamkeit für Arzneimittel, sondern orientierte
sich am Risikopotential des entsprechenden Arzneimittels.
Prof. Dr.Dr. Peter Oberender, Lehrstuhlinhaber für Volkswirtschaftlehere und
Gesundheitsökonomie an der Universität Bayreuth, ging in einer spannenden
Rede auf die Absurdität der Bemühungen der Bundesregierung ein, dass
deutsche Gesundheitswesen zu reparieren. Die Kosten der GKV, die im Jahr
2003 bei 143 Milliarden € lagen, sind mit den gegenwärtig versuchten
Methoden der Kostenbegrenzung nicht in den Griff zu bekommen. Deutschland
würde seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt durch "Bedenkenträger"
blockieren, wobei die ökonomische und soziale Krise der Gesellschaft ja erst
noch bevorsteht und wir im Jahr 2008 damit rechnen müssten. Schon heute
würden 56 % der Wahlberechtigten mehr aus den sozialen Sicherungssystemen
herausholen als sie zu diesen beitragen würden und durch den medizinischen
Fortschritt und die immer höhere Lebenserwartung würden die Kosten des
Gesundheitswesens immer weiter steigen. Durch die sinkenden Geburtenraten
würden dagegen die "Einzahler" in die sozielen Sicherungssysteme immer
weniger werden. Prof. Oberender mahnte bei den Politikern mehr Mut zu
"wirklichen" Lösungsvorschlägen an und die Menschen müssten mehr
Verantwortung für ihr eigenes Leben und ihre eigene Gesundheit übernehmen.
In diesem Sinne, waren die Worte von Prof. Oberender eigentlich ein Plädoyer
für den Heilpraktiker, der eigenverantwortlich mit seinen Patienten an ihrer
Gesundheit arbeitet, frei von unnötiger Bürokratie. Leider hat Prof.
Oberender aber den Heilpraktiker nicht direkt als Beispiel erwähnt.
Vor der Mittagspause wurde dann noch der Selbstmedikationspreis an den
Deutschen Apothekerverband verliehen. Die Apotheker haben auf die
Anforderungen und Einschränkungen der Gesundheitsreform reagiert und die
Selbstmedikation zu einem immer wichtigeren Standbein ihrer Arbeit gemacht.
Auch in diesem Bereich, der Selbstmedikation ist übrigens der Heilpraktiker
ein wichtiger Faktor in Deutschland, denn die Patienten der Naturheilpraxis,
die ihre vom Heilpraktiker verordneten Medikamente ohne Kassenrezept aus der
Apotheke holen, werden als "Selbstmedikation" erfasst und gewertet.
Im Rahmen der Jahrestagung gab es dann auch genügend Möglichkeiten in der
Pause, sowie beim Mittag- und Abendessen die Vertreter der
Berufsorganisationen und eine ganze Reihe von Politikern zu sprechen.
Fragen an die Arzneimittelkommission
Aktuelle Informationen der Arzneimittelkommission können auch unter AMK in
der
Homepage der Deutschen Heilpraktikerverbände ( DDH ) www.ddh-online.de
eingesehen werden. Da es zu bestimmten Themengebieten immer wieder ähnliche
Fragen der
Kollegenschaft gibt, finden Sie auch einzelne Fachthemen, z.B. die
Themenbereiche der
ausländischen Arzneimittel, der Arzneimittelbevorratung oder zum
Arzneimittelgesetz.
Arne Krüger
stellv. AMK-Sprecher